Drucken
Kategorie: Waldensergeschichte

Ein Ausflugsziele für die ganze Familie

Das Waldensermuseum "Henri-Arnaud-Haus" in Ötisheim - Schönenberg, bei Pforzheim

Auch Palmbacher Geschichte ist im Waldensermuseum zu sehen. Das Museum hat Dienstags und Sonntags geöffnet.

Waldensermuseum

Insgesamt wurden Ende des 17. Jahrhunderts ca. 2.800  französischen Waldenser aufgrund des Ausweisungsediktes vom 1. Juli 1698 durch Viktor Amadeus II., Herzog von Savoyen, aus ihrer Heimat vertrieben. Zur Erinnerung an die Waldenser wurde in Ötisheim - Schönenberg bei Pforzheim ein Waldensermuseum eingerichtet. Dort finden Sie auch viele interessante Informationen über die Geschichte von Palmbach.

Schönenberg, in reizvoller Landschaft am Rande des Strombergs gelegen, ist auch eine Gründung der Waldenser, die Ende des 17. Jahrhunderts nach Deutschland kamen. Das Museum befindet sich im 1701 erbauten Wohnhaus des Waldenserpfarrers Henri Arnaud (1643-1721), welches im Besitz der Deutschen Waldenservereinigung e. V. ist. Es wurde 1939 als Zentrum der Deutschen Waldenser und als Erinnerungsstätte eröffnet. Die ständige Ausstellung zeichnet anhand von Dokumenten, Bildern und Texten die wechselvolle Geschichte der Waldenserbewegung nach, vom Aufbruch im Spätmittelalter, der Verfolgung durch die Inquisition, dem 1532 erfolgten Übertritt zur Reformation, der Ausweisung der französischen Waldenser aus Savoyen 1698 bis zu ihrer Ansiedlung in Deutschland und der Neuordnung ihrer Gemeinschaft unter Führung Henri Arnauds. Das Leben in den ehemaligen deutschen Waldenserkolonien ist ebenso dargestellt wie das Werk der kleinen italienischen Waldenserkirche.

WaldenserwappenBesondere Aufmerksamkeit wurde der Bedeutung des Waldenserpfarrers Henri Arnaud gewidmet, dessen Grab sich in der gegenüberliegenden Kirche befindet.

Zum Objektbestand gehören Erinnerungsstücke, Mobiliar und Gebrauchsgegenstände, Trachten, landwirtschaftliche Arbeitsgeräte, Geräte zur Flachsbearbeitung und Strumpfwirkerei aus den neugegründeten deutschen Waldenserdörfern. Darüber hinaus wird auf den von Arnaud in Württemberg eingeführten Kartoffelanbau hingewiesen. Eine eigene Abteilung zeigt sakrale Gegenstände, Bibeldrucke, eine Gesangbuchsammlung sowie Zeugnisse des Kirchenliedguts der Waldenser.

Ein interessantes Ausflugsziel nicht nur für Waldensernachkommen. Der Besuch des Waldensermuseum lässt sich mit dem einer Wanderung auf dem 21 Km langen Waldenserweg im Naturpark Stromberg – Heuchelberg verbinden. Der Eintritt zum Museum ist frei, Spenden sind willkommen.

Öffnungszeiten Museum: Dienstag und Sonntag 14.00 - 17.00 Uhr und nach Vereinbarung. (Im August und 15.12. bis 15.01. geschlossen)

Weitere Infos bei www.waldenser.de

Anschrift:

75443 Ötisheim - Schönenberg, Henri-Arnaud-Straße 27, Tel.: 07041/7436, Fax: 07041/863677,

Anfahrt: Am besten über die A8, Ausfahrt Pforzheim-Ost - Mühlacker - Ötisheim - Schönenberg, "Waldensermuseum" ist beschildert


Hervorragende Lektüre:

Ein neuer Katalog informiert über die Ausstellung im Waldensermuseum in Ötisheim- Schönenberg

 

Henri ArnaudImmer wieder äußern Besucher des Waldensermuseums im Henri-Arnaud-Haus den Wunsch, die Texte der Ausstellung in einem Heft nachle­sen zu können. Nun liegt ein Katalog vor, der Inte­ressierte umfassend informiert. Anlässlich der 300-Jahr-Feier zur Ansiedlung der Waldenser in Deutschland entwickelte Dr. Albert de Lange eine Wanderausstellung, die seitdem im Museum zu besichtigen ist. Sie zeichnet die Geschichte der Waldenserbewegung von den Anfängen im Mittelalter bis in die Gegenwart nach.

Die Texte und Bilder beleuchten, wie ein wohlhabender Bürger von Lyon, Valdes, die Glaubensgemein­schaft im 12. Jahrhundert gründete, die sich schnell über Europa ausbreitete. Hilfreich für das Verständnis sind die Vergleiche zu anderen Gruppen: Hussiten, Katharer und Franzis­kaner. Während der Orden des Franz von Assisi vom Papst akzeptiert wurde, teilten die anderen Bewegungen das Schicksal der Waldenser: Sie wurden als „Ketzer" abgestempelt und hatten immer wieder unter Verfolgungen zu leiden.

Dabei spielten auch politische Interessen eine wichtige Rolle. Vertreibungen, Massaker, Flucht und Rückkehrversuche sind traurige Weg­marken der Geschichte, bis schließlich ein Großteil der Waldenser aus dem Piemont eine neue Heimat in Deutschland fand.

Diese bewegte Entwicklung beschreibt der reich bebilderte Katalog in leicht verständlichen Texten. Die Orte, in denen die Waldenser Aufnahme fanden, werden allesamt vorgestellt. Informationen über die heutige Situation der Waldenserkirche in Italien und Südamerika sowie Hinweise zu weiteren Sehenswürdigkeiten des Museums runden die Publikation ab. Sie eignet sich auch hervorragend zur vorbereitenden Lektüre und weckt das Interesse für das Museum in Schönenberg. Denjenigen, denen die wissenschaftliche Literatur zu umfangreich ist, bietet der Katalog einen guten Überblick über die Geschichte und Gegenwart der Waldenser.  Der Museumskatalog kostet 2,50 Euro.

Martin Brückner

Quelle: Text aus „Der Deutsche Waldenser“ Ausgabe Juni 2005