Drucken
Kategorie: Waldensergeschichte

Straßennamen erzählen ihre Geschichte

Die "Pfarrer-Papon-Straße" in Mörfelden-Walldorf

Pfarrer-Papon-Straße in Mörfelden-WalldorfIn Walldorf gibt es zu Ehren des Waldenserpfarrer Jacques Papon eine "Pfarrer-Papon-Straße".

Bereits bei der ersten Vertreibung der Waldenser in den zwischen 1685 und 1687 verließen 2000 bis 2500 Menschen ihre Heimat.  Sie wanderten in großen Gruppen in die Schweiz.  Jacques Papon sen. damals Pfarrer in Pragela und Jacques Papon jun., Pfarrer in Fenestrelle (später von Walldorf) führten eine Gruppe nach Erlangen, dann weiter nach Hanau und Darmstadt. Die meisten dieser Waldenser kehrten wieder in ihre Heimat zurück. Nach ihrer zweiten Vertreibung aus Piemont 1698 zogen rund 3000 Waldenser, unter Führung ihrer Pfarrer, aus dem Chisonetal zum zweiten Mal ins Exil und suchten von der Schweiz aus Aufnahme in Deutschland. Zu ihnen zählten Pfarrer Henri Arnaud, Pfarrer Jacques Papon jun. und sechs weitere Pfarrer, die auf französischem Boden geboren waren und damit unter das Edikt von 1685 fielen.

Die ersten Verhandlungen über die Ansiedlung der Waldenser zwischen dem Landgrafen Friedrich II., dem niederländischen Generalbevollmächtigten Pieter Valkenier und den Waldenserpfarrern Jacques Papon und Henri Arnaud fanden im Oktober 1698 statt. Mit großer Sorgfalt bemühten sich die Pfarrer darum, dass die Flüchtlinge eine ausreichende Existenzgrundlage erhielten. Sie wollten erreichen, dass die Waldenser in Deutschland so leben konnten, wie sie es aus dem Chisonetal gewohnt waren. Sie forderten die Freiheit zur öffentlichen Ausübung ihrer eigenen Religion, Steuerfreiheit, Freiheit von der Leibeigenschaft, das Recht zur Ausübung niedriger Gerichtsbarkeit usw. Die Waldenser konnten ihre Forderungen durchsetzen, weil der niederländische Gesandte Pieter Valkenier sie diplomatisch unterstützte.

Da die Waldenser aus einer Herkunftsgemeinde zusammen bleiben wollten, wurden die französischen Waldenser aus dem Pragelatal 1699 ins südliche Hessen (Landgrafschaft Hessen - Darmstadt) geschickt, die piemontesischen Waldenser aus dem Perosatal nach Württemberg.

Bei Mörfelden versammelten sich im Juli 1699 450 Waldenser aus Roure, Méan und La Balme, die, die "Waldenserkolonie des Herrn Pfarrer Papon bei Mörfelden" bildeten und hier ihre neue Heimat fanden. Aus dieser Waldenserkolonie entstand der Waldenserort Walldorf (heute Mörfelden - Walldorf). 
Pfarrer Papon war somit auch der erste Pfarrer der Palmbacher Waldenservorfahren auf deutschem Boden.

Ende April 1701 zogen die meisten Waldenser nach Württemberg und Baden ab. Darunter auch die 28 Familien (111 Personen) aus dem Ort La Balme, die dann bei Grünwettersbach den Ort Palmbach gründeten. Außerdem zogen 59 Waldenser nach Untermutschelbach und 86 nach Kleinsteinbach.

Nur 14 Familien mit 62 Personen blieben im Hessischen, hierunter auch Pfarrer Papon. Jacques Papon war von 1699 bis 1714 Pfarrer der Waldensersiedlung Walldorf.

(Quelle: Ortschronik Walldorf)